ERP

SAP erfüllt Kundenforderung der DSAG

Die bisherige ERP-Lösung der SAP für das Personalwesen bietet der Software-Konzern nur noch bis 2025 On-Premise an. Für die Zeit danach hat die SAP strategisch die Cloud-Lösung SuccessFactors positioniert. Für viele Mitglieder der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. ist das keine Option. Die SAP reagierte jetzt darauf, lässt aber Detailfragen offen.

IT-ENTSCHEIDER stehen vor der Frage, wie sie ihre Prozesse im Personalwesen künftig abbilden sollen – On-Premise, in der Cloud oder als hybride Lösung. Die Ergebnisse einer Umfrage (siehe Grafik rechts), die innerhalb des mehr als 3.000 Mitgliedspersonen umfassenden DSAG-Arbeitskreises Personalwesen durchgeführt wurde, zeigen den Trend bei SAP-Anwenderunternehmen auf: Auf die Frage, welches Betriebsmodell für SAP-Software im Personalwesen ihr Unternehmen strategisch in den nächsten Jahren voraussichtlich realisiert, gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie ihr Betriebsmodell ausschließlich oder überwiegend On-Premise sehen. 42 Prozent der Befragten bevorzugen eine hybride Lösung bestehend aus On-Premise und privater oder public Cloud und nur zirka 7 Prozent ziehen eine Cloud-Only-Lösung in Erwägung.

Cloud-Lösung erfüllt funktionale Anforderungen noch nicht ausreichend

Aber die SAP hatte andere Pläne: Die bisherige ERP-Lösung für das Personalwesen, SAP Human Capital Management – HCM, wird nur noch bis 2025 als On-Premise-Lösung verfügbar sein. Für die Zeit danach hat die SAP bis jetzt strategisch die Cloud- beziehungsweise Software-as-a-Service-Lösung SuccessFactors positioniert.

Doch dieses Angebot der SAP findet wenig Anklang bei den in der DSAG vereinten Anwenderunternehmen: „Wir haben in unserer Umfrage gezielt danach gefragt und mehr als die Hälfte, 54 Prozent, hält die funktionalen Anforderungen des Personalwesens in den neuen Cloud-basierten Lösungen für noch nicht ausreichend erfüllt“, resümiert der DSAG-Arbeitskreis-Sprecher Personalwesen Hermann-Josef Haag.

SAP-Anwender befürchten Kontrollverlust

Etwa 26 Prozent der Befragten begründen ihre Zurückhaltung in Bezug auf die Cloud-Lösungen mit der Befürchtung, die Kontrolle über die Software zu verlieren – insbesondere über die individuellen Teile. Mit knapp 27 Prozent spiele auch die Unsicherheit bei der Einhaltung von Regulatorik, Compliance und Security eine signifikante Rolle. „Wo liegen die Daten? Wo gehen die Daten hin? Wie gehen wir mit Verträgen um? Wer zahlt, wenn das Rechenzentrum von SAP streikt und die Lösung nicht verfügbar ist? Hier gibt es große Fragezeichen, die den Anwendern eine Entscheidung für die neuen, Cloud-basierten Lösungen erschweren“, moniert der DSAG-Arbeitskreis-Sprecher Haag (Foto rechts).

Einsatz von Schnittstellen widerspricht Integrationsansatz

Weitere Hindernisse auf dem Weg zur SuccessFactors-Lösung sehen knapp 23 Prozent der Befragten beim Thema Lizenzen, knapp 21 Prozent fehlen Informationen hinsichtlich der Migration, zirka 13 Prozent der Befragten kritisieren zudem den fehlenden Einfluss auf Verfügbarkeit und Support der neuen Lösung. Und etwa 20 Prozent halten die Integrationsfähigkeit in andere Software-Module für nicht ausreichend. „Eine Umstellung auf SuccessFactors würde den Einsatz von Schnittstellen in die ERP-Lösung notwendig machen und das widerspricht dem bisherigen Integrationsansatz von SAP. Als Anwender-Gemeinschaft vermissen wir diesen in der Zukunftsstrategie von SAP“, kritisert DSAG-Vorstandsmitglied Jean-Claude Flury (Foto rechts).

SAP avisiert neue On-Premise-Lösung für 2023

Alles Gründe zusammengenommen veranlassten die DSAG zur Forderung nach einer klaren Aussage der SAP zur Zukunft aller Module in der Personalwesen-Lösung HCM. Dieser Forderung nachkommend, wird SAP eine neue On-Premise-Lösung auf den Markt bringen, die ab 2023 zur Verfügung stehen soll. Die Wartung für die HR-Lösung wird laut der SAP mindestens bis 2030 erfolgen.

Die neue Lösung werde ausschließlich auf der HANA-Datenbank der SAP laufen. Für die Migration würden entsprechende Services und Tools zur Verfügung gestellt. Zudem werde es für die neue Lösung im Personalwesen eine eigene Wartungsstrategie geben, da sie unabhängig neben S/4HANA laufen wird. Bestandskunden sollen eine Lizenzkonvertierung nach den bestehenden S/4HANA-Konvertierungsregeln erhalten.

SAP-Anwendergruppe begrüßt ersten Schritt

Die SAP-Anwendergruppe DSAG begrüßt diesen ersten Schritt, werde aber kritisch beobachten, wie die neue Lösung im Hinblick auf die Kundenanforderungen konkretisiert wird. Dazu zählen unter anderem ein geeignetes Lizenzmodell, benötigte Funktionalitäten, die Abdeckung gesetzlicher Anforderungen, die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Integrationsfähigkeit. „Es ist gut, dass SAP jetzt zumindest bis 2030 eine On-Premise-Lösung bietet und vielen unserer Mitgliedsunternehmen damit erst einmal Optionen ermöglicht“, kommentiert DSAG-Vorstand Flury das Angebot der SAP, und fasst zusammen: „Es wird derzeit zwar gar keine Wartungsverlängerung der bestehenden ERP-HCM-Lösung nach 2025 geben, doch durch die Einführung des neuen On-Premise-Lösung erhalten unsere Mitglieder zumindest für die Zeit nach 2025 und bis 2030 erst einmal eine Alternative zu den reinen Cloud-Lösungen, die die Funktionalitäten des HCM abdecken soll.“

Wichtige Detailfragen sind noch offen

Abgeschlossen ist das Thema damit jedoch nicht, da noch wichtige Detailfragen zu klären seien. So müssten beispielsweise konkretere Informationen zum Pricing und eine tragfähige Aussage zu einzelnen Komponenten, beziehungsweise Modulen wie das Reisemanagement, getroffen werden. Die DSAG und die zuständigen Arbeitskreise wollen diesbezüglich mit der SAP im Dialog bleiben. hei


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