Software und Technologie

DSAG-Mitglieder beschleunigen die Digitalisierung

Effizientere Geschäftsprozesse sehen die Mitglieder der SAP-Benutzervereinigung DSAG als Ausweg aus der Corona-Krise. Die Migration auf S/4HANA kommt überwiegend gut voran, ebenso wie die Integrationsbemühungen der SAP bei den Datenmodellen.

dsag Starke Umsatzrückgänge und schrumpfende IT-Investitionsbudgets sind für Unternehmen akute Folgen der Corona-Krise. Das zeigt eine Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) unter ihren Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die auf dem virtuellen Jahreskongress DSAGLIVE vorgestellt wurde. Die Digitalisierung lässt sich allerdings nicht aufhalten, und die Anforderungen dafür steigen sogar, wie 81 Prozent der Befragten angeben. Der größte Handlungsbedarf zeichnet sich bei der Effizienzsteigerung bestehender Prozesse sowie der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services ab.

Die DSAG hat im Sommer dieses Jahres eine Online-Umfrage bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Teilgenommen haben 262 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die zentrale Frage lautete, wie sich die Corona-Krise auf das Business und auf die Investitionsbudgets auswirkt, und welche Anforderungen die Digitalisierung mit sich bringt. Die Ergebnisse wurden auf dem Online-Kongress DSAGLIVE vorgestellt, den die Anwendergruppe als Alternative für den Jahreskongress eingerichtet hat. Rund 3000 Teilnehmer haben sich dafür registriert.

Mehr Effizienz trotz sinkender IT-Budgets

Wegen der Corona-Krise geht bei 74 Prozent der Befragten der Umsatz zurück. Lediglich 19 Prozent nehmen keine Auswirkungen auf den Umsatz wahr, bei immerhin 7 Prozent legt der Umsatz sogar zu. Als Konsequenz von Corona rechnen 22 Prozent der Befragten mit einem Rückgang der IT-Budgets um über 20 Prozent. Trotz dieser Kürzung nehmen die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung in den Unternehmen zu, wie 81 Prozent der Befragten bestätigen. Die Fortschritte in Sachen Digitalisierung sind in den Unternehmen gut: 61 Prozent kommen nach eigener Aussage schnell voran, 34 Prozent hingegen nur langsam. Im Vergleich zum DSAG-Investitionsreport 2020 im Frühjahr, wo lediglich 35 Prozent der Unternehmen ihren Fortschritt in der Digitalisierung als sehr weit und weit einschätzten, ist das eine deutliche Steigerung.

Die Hälfte der Migrationsprojekte auf S/4HANA wird weiterverfolgt oder sogar beschleunigt. 47 Prozent der befragten DSAG-Mitglieder stellen die diesbezüglichen Pläne aktuell zurück.

S/4HANA-Projekte profitieren von den Digitalisierungsbemühungen: 50 Prozent der Befragten beschleunigen ihre Projekte oder verfolgen sie zumindest konsequent weiter. 43 Prozent hingegen stellen sie zurück. „Die Unternehmen haben erkannt, wie wichtig die Digitalisierung ist“, ordnet der DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck dieses Ergebnis ein. „Wo es die wirtschaftliche Situation zulässt, verfolgen sie ihre S/4HANA-Projekte weiter.“

Leicht erhöhte Zustimmung zur SAP-Produktstrategie

Bezüglich der SAP-Produktstrategie hat sich die Wahrnehmung unter den DSAG-Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Für voll und ganz beziehungsweise größtenteils belastbar und vertrauensvoll halten 31 Prozent die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps, das sind 7 Prozent mehr als 2019. Auf teilweise Zustimmung stößt die Aussage bei 42 Prozent, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 3 Prozent. Weniger oder gar keine Zustimmung erhält SAP in diesem Punkt von 27 Prozent. „31 Prozent Zustimmung ist kein Wert, der uns zufrieden macht“, erläutert Lenck. „Die leichte Verbesserung zeigt uns allerdings, dass die Strategie der SAP in die richtige Richtung geht.“

Nach dem größten Handlungsbedarf aufgrund der Corona-Krise im SAP-Kontext befragt, antworteten 72 Prozent mit der Effizienzsteigerung bestehender Prozesse. Bereits auf dem DSAG-Jahreskongress 2019 stand die Effizienzsteigerung bei der Frage nach den größten Auswirkungen durch die digitale Transformation auf Platz 1. Die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services kommt in diesem Jahr auf 36 Prozent und steht damit weiter an zweiter Stelle. Eine flexiblere Beziehung zwischen Kunden und Partnern im Rahmen einer Plattformstrategie erachten 24 Prozent als wichtig. „Dass die Effizienzsteigerung immer noch vorn liegt, werte ich als Reaktion auf den geringeren Umsatz und die kleineren IT-Budgets“, erläutert Lenck. „Das alleine hilft allerdings nur kurzfristig. Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, müssen nicht nur ihre Geschäftsprozesse digitalisieren, sondern auch ihre Geschäftsmodelle verändern.“

SAP und Microsoft führen als Plattformanbieter

Die Wichtigkeit einer Plattform-Strategie haben die DSAG-Mitglieder erkannt. 58 Prozent der Befragten beschleunigen diese Strategie oder verfolgen sie konsequent weiter. 24 Prozent verschieben sie oder überdenken aktuell ein entsprechendes Projekt. Lediglich 19 Prozent sehen in der Plattformstrategie kein Thema oder haben diese zurückgestellt. Bei Plattformen haben SAP-Anwender die Wahl unter mehreren Anbietern. SAP genießt mit 72 Prozent eine hohe beziehungsweise sehr hohe Relevanz in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten, gefolgt von Microsoft mit 37 Prozent. Bei der Flexibilisierung von Lieferketten bescheinigen noch 65 Prozent SAP eine sehr hohe und hohe Relevanz, gefolgt von Microsoft mit 19 Prozent.

In punkto Produktentwicklung ist die identische Reihenfolge zu beobachten, wenn auch die absoluten Zahlen deutlich geringer sind. SAP führt hier mit 33 Prozent vor Microsoft mit 26 Prozent. Bezüglich der Finanz- und Zahlungsabwicklung wird SAP von 77 Prozent eine sehr hohe und hohe Relevanz bescheinigt, gefolgt von anderen mit 17 Prozent und mit weitem Abstand vor Microsoft mit 6 Prozent. Wiederum in der Pole-Position ist SAP im Bereich der Human-Resources-Prozesse. Hier liegt SAP mit 66 Prozent weit vor Microsoft mit 9 Prozent und Google mit 3 Prozent in Front.

„SAP genießt in vielen Bereichen einen hohen Vertrauensvorsprung unter den DSAG-Mitgliedern“, zieht Lenck das Fazit der Umfrage. „Bei der Produktstrategie bietet der SAP Road Map Explorer den Kunden inzwischen Orientierung. Ein Problem stellt allerdings nach wie vor die mangelnde Integration der Datenmodelle der verschiedenen Produkte dar.“


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Die Integration der Datenmodelle kommt voran

Die in den vergangenen Jahren zugekauften Lösungen wie SuccessFactors und C/4HANA (ehemals Hybris) nutzen unterschiedliche Datenmodelle, und das erschwert die Integration. Im vergangenen Jahr hat SAP auf der Hausmesse TechEd einen One Master Data Service angekündigt, der die Datenmodelle über die SAP Cloud Platform miteinander abgleicht. Demnach soll die Integration entlang von vier zentralen Prozessen umgesetzt werden: Vom Verkaufsprozess (Lead-to-Cash), über den Einkauf (Source-to-Pay) und die Personalverwaltung (Recruit-to-Retire) bis zur Verwaltung der kompletten Lieferkette (Design-to-Operate). Diese Initiative kommt gut voran, wie SAP-CEO Christian Klein in seiner Keynote erläutert: „Aktuell sind 57 Prozent der geplanten Integrationsszenarien verfügbar. Bis Jahresende werden es 90 Prozent sein.“ Ein semantisch einheitliches Datenmodell für Stamm-und Transaktionsdaten erachtet Klein als wichtige Voraussetzung für End-to-End-Geschäftsprozesse in dem von der SAP propagieren intelligenten Unternehmen.

Neben der engen Integration ist die Plattform laut Klein ein wichtiger Baustein des intelligenten Unternehmens. Die SAP-Plattform ermögliche es, Systemlandschaften mit Cloud-Modulen funktional zu erweitern. Mittelfristig soll das bisherige Customizing der SAP-Systeme überflüssig werden, wenn Unternehmen ihre Eigenentwicklungen in die Cloud verlagern und in einem Side-by-Side-Szenario mit dem Core-System verknüpfen.

In der Industry Cloud plant SAP Co-Innovation

In der Industry Cloud plant SAP industriespezifische Businessmodelle für die Digitalisierung. Klein betrachtet die Industry Cloud als Möglichkeit der Co-Innovation zusammen mit Kunden und Partnern. So habe SAP in einem Projekt für einen Einzelhändler einen Online-Store erstellt, dabei die Lieferkette optimiert und über eine optimierte Logistik sichergestellt, dass die bestellte Ware zum angegebenen Zeitpunkt auch lieferbar ist.

Im Rahmen der Innovationsstrategie integriert SAP Künstliche Intelligenz in Business Prozesse. Die Systeme unterstützen dann die Anwender durch Vorschläge. Dadurch steigt laut Klein die Produktivität um bis zu 40 Prozent. Bis Ende dieses Jahres sollen 350 Prozesse über intelligente Systembausteine verfügen. Darüber hinaus sollen in mehr als 30 Module Funktionen des Moduls Qualtrics eingebaut werden, das die Zufriedenheit der Kunden mit einem Produkt und einer Marke misst.

Marco Lenck tritt als Vorstandsvorsitzender ab

Marco_LenckDer Online-Kongress DSAGLIVE bringt der DSAG nicht nur ein neues Format, sondern auch das Ende einer Ära: Marco Lenck wird nach 12 Jahren sein Amt DSAG-Vorstandsvorsitzender aufgeben. Sein Nachfolger wird am Donnerstag gewählt. Jürgen Frisch

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