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SAP-Lösungen in puncto Digitalisierung in der Kritik

Die Digitalisierung kommt nicht in Schwung. Als Hürden nennt die SAP-Anwendergruppe DSAG organisatorische Herausforderungen, mangelnde Integration und inkompatible Datenmodelle bei SAP-Lösungen sowie schwierige Lizenzbestimmungen.

dsag5500 Mitglieder haben sich zum Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe DSAG in Nürnberg versammelt, um den Status der digitalen Transformation zu diskutieren. Eine Umfrage hat jüngst ergeben, dass die Effizienzsteigerung bestehender Geschäftsprozesse (62 Prozent) und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle (40 Prozent), zu den größten Treibern für Digitalisierungsprojekte zählen. Die Veränderung des Marktumfelds, die Intensivierung der Beziehungen zu Kunden und Partnern, ein erhöhter Servicegrad sowie der Wunsch nach mehr Informationstransparenz werden seltener genannt.

Im Sommer hat die DSAG 271 CIOs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz online befragt. Über die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern, knapp ein Drittel aus Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten.

Fast die Hälfte aller Digitalisierungs-Prototypen floppt

Geht es um Effizienzsteigerung, so vermelden 41 Prozent der Unternehmen laufende oder fertiggestellte Digitalisierungs-Projekte. Auffällig dabei: Die Unternehmen haben viele Ideen und Prototypen, setzen diese aber anschließend nicht in Projekte um. „Fast die Hälfte der Ideen für Digitalisierungsvorhaben verlaufen im Sand“, erklärt der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck. „Die Gründe dafür sind organisatorische, aber auch technische Schwächen.“

Die größten Herausforderungen für die Digitalisierung sind die fehlenden personellen sowie finanziellen Ressourcen sowie eine mangelnde digitale Unternehmenskultur.

Die größten Herausforderungen der Unternehmen liegen laut Umfrage in fehlenden personellen sowie finanziellen Ressourcen (42 Prozent) und in einer mangelnden digitalen Unternehmenskultur (38 Prozent). Weitere Hürden sind die fehlende Änderungsbereitschaft der Mitarbeiter und starre Organisationsstrukturen. Kaum genannt werden dagegen die mangelhafte Unterstützung durch das Management (12 Prozent) und fehlendes Know-how (11 Prozent).

SAP formuliert ihre Produkt-Roadmaps nicht klar genug

Auch eine schlechte Informationsvermittlung sowie funktionale Hürden erschweren die digitale Transformation und den Aufbau hybrider Landschaften. So fühlt sich lediglich ein Viertel der DSAG-Mitglieder gut informiert über die Produkt-Roadmaps der SAP. 45 Prozent vertrauen der Walldorfer Produktstrategie teilweise, wogegen 30 Prozent der Anwender dieses Vertrauen in Frage stellen. „Die SAP muss ihre Kunden künftig vorausschauend und verlässlich mit Informationen versorgen“, fordert Lenck.

Auch die SAP-Lösungen stehen in der Kritik. Die DSAG-Mitglieder wünschen sich eine bessere Integration der einzelnen Produkte, ein einheitliches Datenmodell, eine erweiterte und stabile Funktionalität sowie besser skalierende Lösungen und Lizenzmodelle. „Da Unternehmen in der Digitalisierung verstärkt auf hybride Landschaften setzen, sollte die SAP den Auf- und Ausbau sowie den Betrieb einer solchen Architektur so einfach, attraktiv und flexibel wie möglich gestalten“, fordert Lenck.

Aus SAP-Sicht ist einer der größten Hebel in Sachen Digitalisierung der Umstieg von der bisherigen SAP Business Suite auf SAP S/4HANA. In den Unternehmen kommt diese Migration laut Studie gut voran. Abgeschlossene S/4HANA-Projekte vermelden zwar nach wie vor nur wenige Unternehmen, aber das Interesse steigt. Anfang 2019 hatten 3 Prozent der DSAG-Mitglieder die Absicht bekundet, noch in diesem Jahr auf SAP S/4HANA migrieren zu wollen, inzwischen sind es 8 Prozent. In den nächsten drei Jahren plant die Hälfte der Anwender diesen Umstieg.

Bei SAP C/HANA und Qualtrix schwächelt die Integration

Weniger eindeutig fällt das Urteil der Anwender zu SAPs Lösungen zur Digitalisierung der Kundenprozesse wie SAP C/4HANA oder Qualtrics aus. Beide Applikationen kommen in den Unternehmen weniger häufig zum Einsatz als die Lösungen von Wettbewerbern. „Bei C/4HANA erwarten unsere Mitglieder in ganz besonderem Maße, dass SAP die Vorteile von Integration und Harmonisierung liefert“, erläutert Lenck. Eine flexible Skalierbarkeit sowie eine Funktionalität, die mit den Produkten von Drittanbietern auf Augenhöhe liegt, setzten die DSAG-Mitglieder voraus.

SAP nimmt sich die Kritik der Anwendervertreter zu Herzen, wie Christian Klein, Chief Operating Officer und Mitglied des Vorstands erläutert: „Wir integrieren Software, Prozesse und Menschen. In der SAP Cloud Plattform arbeiten wir an einer einheitlichen Benutzeroberfläche, einem einheitlichen Datenmodell und an anwendungsübergreifenden Analysen.“ Die in den vergangenen Jahren zugekauften Cloud-Produkte wie SAP SuccessFactors, Ariba und Concur nutzten unterschiedliche Datenmodelle. Diese zu vereinheitlichen sei eine gewaltige Aufgabe. Aber SAP kommt voran: Noch in diesem Jahr sollen SAP SuccessFactors, die SAP Analytics Cloud und um Qualtrix Daten mit SAP S/4HANA austauschen. 2020 sollen SAP Fieldglass, SAP Ariba, SAP Concur und Callidus Cloud folgen. Die enge Integration soll dann eine gemeinschaftliche Unternehmensplanung ermöglichen, die bei Marketing und Vertrieb startet und die Lieferkette, die strategische Finanzplanung und das Personalwesen umfasst. Neben der Planung erstreckt sich die Integration auch auf die Ausführung und auf eine übergreifende Analyse. Unter dem Banner Intelligent Enterprise will SAP Technologien wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Robotic Process Automation und Natural Language Interaction in Applikationen integrieren und damit künftig Prozesse automatisieren.

Ab 2022 wird SAP HCM wird in S/4HANA eingepasst

Beim Thema Personalwesen hat sich die DSAG durchgesetzt: ab 2022 können Kunden die Lösung SAP Human Capital Management auch integriert in SAP S/4HANA betreiben. Davon profitieren SAP-Anwender, die bis 2025 noch nicht zur Software-as-a-Service-Lösung SAP SuccessFactors in die Cloud wechseln wollen oder können.

In Sachen Integration und Vereinheitlichung der Stammdaten haben die DSAG und die SAP eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet und führen gerade die ersten Ergebnisse zusammen. Strittig ist nach wie vor die Frage flexiblerer Lizenzmodelle: „Pay-as-you-go gibt es bereits, aber nur als Einbahnstraße“, berichtet Lenck. „Steigert ein Unternehmen die Nutzung, dann wachsen die Gebühren. Sinkt die Nutzung, ist es nicht so einfach, die Zahlungen zu senken.“ Die DSAG-Mitglieder wünschten sich ein erweitertes Try-and-Buy-Modell, bei dem sie eine Lösung auch in einem kleinen Produktivbetrieb testen können. Derartige Lizenzmodelle seien bei anderen Cloud-Anbietern längst üblich. Jürgen Frisch


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