Ratgeber

Unternehmensmodelle als Leitlinie der Digitalisierung

Mit komplexen IT-Systemen ein Unternehmen erfolgreich führen – Forscher des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS geben im Buch „Mensch und System“ Handlungsempfehlungen.

Unternehmensmodelle

Durch den zunehmenden Einsatz von Computern in nahezu allen Lebensbereichen erhöht sich die Menge verfügbarer Information rasant. Diese Daten führen zu immer größeren betriebswirtschaftlichen IT-Systemen, die zu komplex sind, als das sie Menschen verstehen. Unternehmerische Entscheidungen fallen oft unter Risiko. Als Ausgleich für dieses Manko verspricht die Digitalisierung intelligente Methoden, die dem Menschen dabei helfen, diese Systeme zu steuern. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS zeigen auf, wie mit der Unternehmensmodellierung eine solche Steuerung gelingen kann, wo die systemischen Grenzen liegen und welche alternativen Handlungsansätze in der Praxis als erfolgreich waren.

Systemübergreifendes Verständnis für Manager

Die Grundannahme der Forscher lautet: Manager können Unternehmen nur dann nachhaltig und rational steuern, wenn sie die Konsequenzen ihrer Fraunhofer-BuchEntscheidungen systemübergreifend verstehen. Systeme, die das ermöglichen, sind mittel- und langfristig deutlich rentabler und überlebensfähiger.

»Die Unternehmensmodellierung spielt bei der digitalen Transformation von Unternehmen eine wesentliche Rolle“, berichtet Dr. Felix Hasenbeck, Geschäftsfeldleiter Unternehmensmodellierung und -analyse am Fraunhofer IAIS. In unseren Forschungen der vergangenen Jahre haben wir viele theoretische Ansätze in der Praxis evaluiert. Die Erkenntnisse vermitteln wir in diesem Buch.“

Bei der Unternehmensmodellierung werden alle Abteilungen, Produkte und Organisationsstrukturen sowie deren Beziehungen zueinander in ein digitales Modell überführt, um eine exemplarische Architektur des Unternehmens zu visualisieren. Anhand dieses Modells lassen sich Prozessabläufe des Unternehmens überblicken und nachvollziehen. Einzelne Prozesse oder Parameter können in der Testumgebung verändert werden, um beispielsweise strategische Umstrukturierungen bereits vor der Implementierung im Unternehmen auf Machbarkeit zu prüfen. So sollen unternehmerische Fehlentscheidungen des Managements verhindert werden.

Digitalisierung ist mehr als der geschickte Einsatz von IT

Die Unternehmensmodellierung realisiert das Fraunhofer IAIS mit einer Software namens Systemmodeller. Sogenannte TAM-Systeme (Technology Acceptance Model /Technologieakzeptanzmodell) definieren eine Klasse von Systemen, die rasch zu modellieren sind und effektive Ergebnisse liefern. Getestet haben die Forscher das Werkzeug zusammen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen aus ganz Deutschland. Die humanzentrische Methodik könne auch zum Modellieren anderer Systeme, wie zum Beispiel gruppendynamischer Situationen oder geopolitischer Systeme eingesetzt werden – überall dort, wo Menschen für die Steuerung verantwortlich sind.

„Unsere Systemmodelle sind intuitiv nachvollziehbar“, erläutert Hasenbeck. „Modelle die Menschen nicht verstehen können, sind nicht geeignet, um ein zielgerichtetes Handeln zu unterstützen.“ Digitalisierung ist Fraunhofer-Forscher für den mehr als der geschickte Einsatz moderner IT-Technologie, denn sie beeinflusse das Auftreten eines Unternehmens am Markt und seine Produkte, Produktions- und Logistikprozesse sowie große Teile der Unternehmensstrategie«.

„Indem sich Unternehmen stringent und übersichtlich strukturieren, klare Zuständigkeiten definieren und ein Übermaß an simultan laufenden IT-Systemen vermeiden, können sie effektiver werden“, lautet das Fazit von Hasenbeck.“ Die Unternehmensmodellierung ist ein hilfreicher Schritt, um die Digitalisierung zu integrieren und voranzutreiben.“ Jürgen Frisch

Fraunhofer-BuchMensch und System. Ideen zu humanzentrischen Systemmodellen. Autoren: Beyer, U., Nickel, K., Hasenbeck, F., Zimmermann, A., Fraunhofer IAIS, ISBN 978-3-658-21058-8

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