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SAP-Anwender erörtern hybride ERP-Architekturen

„Business ohne Grenzen – Architektur der Zukunft“ lautet das Motto des Jahreskongresses der SAP-Anwendervereinigung DSAG. Über 5000 Besucher diskutieren in Leipzig den Weg in die Digitalisierung. Hybride Systeme lautet das Schlagwort, engere Integration steht auf der Wunschliste.

DSAG-Jahreskongress

Vernetzung ist das große Thema auf dem Jahreskongress der SAP-Anwendervereinigung DSAG in Leipzig: „Unternehmen müssen künftig Daten aus verteilten Prozessen zusammenführen, und zwar sowohl im eigenen Haus als auch über dessen Grenzen hinweg“, erläutert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck in seiner Keynote. „Mehrwerte für die Kunden schaffen Unternehmen nur in enger Kooperation.“ Diese Art des Wirtschaftens beeinflusse die IT-Systeme, aber eine Blaupause für deren Architektur stehe noch aus. Wie die einzelnen Bausteine funktionieren, hätten die meisten SAP-Anwender verstanden. Nun gehe es um die ganzheitliche Sicht auf eine IT-Architektur, die klassische und neue Ansätze der Vernetzung abdeckt und den Weg in die Digitalisierung ebnet.

ERP muss künftig mehr sein als ein stabiler Kern

Die bisherige Rolle unternehmensweiter Standardsoftware als stabiler Kern reiche künftig nicht mehr aus. „Die Zahl der in ERP-Systemen abgebildeten Prozesse wird sinken“, prognostiziert Lenck. „Um den Kern herum benötigen Unternehmen agile Prozesse in Richtung Kunden und Lieferanten, und diese werden typischerweise über ergänzende Cloud-Module abgebildet.“

Digitalisierte Geschäftsprozesse sind unternehmensübergreifend vernetzt und laufen in Echtzeit ab. Voraussetzung dafür sind laut Lenck einheitliche Datenmodelle. Heterogene Standardlösungen reichten künftig nicht mehr aus. Vielmehr soll die Architektur der Zukunft durch einfache und klar definierte Funktionen geprägt sein. „SAP ist gefordert, uns Lösungen anzubieten, die auf einheitlichen Datenmodellen mit weitreichenden Integrationsmöglichkeiten basieren. Nur so lassen sich End-to-End-Prozesse realisieren“, beschreibt der DSAG-Vorstandsvorsitzende Lenck die Erwartungen der Anwender.

ERP-Systeme bilden den Kern der Wertschöpfung ab

ERP-Systeme spielen in der Architektur der Zukunft eine wichtige Rolle. 73 Prozent der befragten Unternehmen sehen sie als relevant an. ERP-Systeme bilden demnach auch weiterhin die Wertschöpfung innerhalb der Unternehmen ab. Die IT-Landschaft wird jedoch hybrid.

Im Sommer hat die DSAG CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz online befragt. Rund die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern. Wichtigstes Thema in den Betrieben ist der Aufbau digitaler Mitarbeiter-Skills gefolgt von künstlicher Intelligenz / Machine Learning sowie Vorhaben rund um das Internet of Things. Über ein Drittel der befragten DSAG-Mitglieder schätzen sich bei der digitalen Transformation als weit bis sehr weit ein. Im Vergleich zu 2017 ist dieser Wert um Prozentpunkte gestiegen.

Marketing und Vertrieb wandern am ehesten in die Cloud

Die Cloud ermöglicht durch permanent aktualisierte Systeme einen Wettbewerbsvorteil. Marketing- und Vertriebsprozesse bilden 48 Prozent der Befragten aktuell mit Cloud-Systemen ab. Kernprozesse hingegen verlagern lediglich 10 Prozent der Befragten dorthin. Lenck leitet daraus eine Forderung ab: „Wir brauchen weniger Cloud-only Entwicklungen und erwarten funktionale Weiterentwicklungen im Rahmen der Wartung und keine neue Cloud-Subskription. Funktionen innerhalb von Kernanwendungen müssen integriert bleiben“. Nur so ließen sich Geschäftsprozesse effizient abbilden.

Hinsichtlich der Plattformen für unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse herrscht bei den DSAG-Mitgliedern Vielfalt: 55 Prozent der Umfrageteilnehmer bescheinigen der SAP Cloud Platform eine hohe Relevanz für die Digitalisierung. Es folgen Microsoft Azure mit 50 Prozent und Amazon Web Services mit 31 Prozent. Google kommt auf 15 Prozent.

S/4HANA gilt als Treiber der Digitalen Transformation

Auch die Relevanz von SAP-Lösungen für die digitale Transformation hat die Online-Umfrage untersucht. S/4HANA hat für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform kommt auf 47 Prozent im Rennen, SAP Leonardo – auf 30 Prozent. Mit der SAP Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation. Die Weiterentwicklung der Business Suite muss daher laut Lenck gewährleistet bleiben und darf nicht zugunsten der Cloud reduziert oder gar aufgegeben werden.

Bei der Frage nach der Migration auf S/4HANA schätzen 41 Prozent der Unternehmen, dass sie ihre Systeme bis 2015 komplett umgestellt haben, weitere 28 Prozent – zumindest teilweise. „Aktuell sind in S/4HANA noch nicht alle abgekündigten Funktionen von SAP ERP abgebildet. Wenn sich das nicht ändert, brauchen wir Alternativen für die ERP-Transformation“, argumentiert Lenck. Jürgen Frisch


Marco Lenck, DSAG-Vorstandsvorsitzender

„Unternehmen müssen künftig Daten aus verteilten Prozessen zusammenführen, und zwar sowohl im eigenen Haus als auch über dessen Grenzen hinweg“, erläutert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck. „Sie benötigen agile Prozesse in Richtung Kunden und Lieferanten, und diese werden typischerweise über ergänzende Cloud-Module abgebildet.“

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Quelle: DSAG

Digital Skills der Mitarbeiter, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge (IoT) betrachten DSAG-Mitglieder laut Umfrage als wichtigste Themen bei der digitalen Transformation. 34 Prozent sehen sich für diesen Wandel gut aufgestellt.

 

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Quelle: DSAG

S/4HANA hat laut DSAG-Studie für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform kommt hier auf 47 Prozent, SAP Leonardo auf 30 Prozent. Mit der Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation.

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