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SAP-Anwender diskutieren die Systemvernetzung

‚Auf Vordenken programmiert – Intelligente IT macht den Unterschied‘ lautet das Motto der Technologietage der SAP-Anwendervereinigung DSAG. 2300 Besucher tauschen sich dort darüber aus, wie vernetzte IT-Systeme die Digitalisierung steuern, und wie SAP deren Stabilität verbessert.

Ralf Peters, DSAG-Vorstand Technologie

Ralf Peters, DSAG-Vorstand Technologie auf den DSAG Technologietagen 2018 in Stuttgart

Digitalisierung als Ziel: „Unternehmen müssen verstärkt in die Technologie investieren, in das Know-how ihrer Mitarbeiter und in deren Bereitschaft, die neuen Wege zu gehen“, erläutert Ralf Peters, DSAG-Vorstand Technologie. Die Technologiebegriffe im Rahmen der Digitalisierung reichen von Cloud-Computing bis hin zu Industrie 4.0.

Parallel zum Standardbetrieb müssen Unternehmen laut Peters immer schneller neue Geschäftsprozesse realisieren. Dadurch geraten agile Entwicklungsansätze in den Fokus. „Die dafür nötige Geschwindigkeit lässt sich mit klassischen ERP-Systemen kaum noch leisten. Die IT muss dennoch schneller und flexibler werden, um in immer kürzeren Zyklen neue Features anbieten zu können.“ Ergänzende Cloud-Lösungen seien ein gutes Vehikel, um die neuen Ansätze mit wenig Aufwand in bestehende IT-Landschaften zu integrieren. Der Vorteil dabei: bestehende IT-Gesamtkonzepte müssen nicht angefasst werden.

Eine Cloud-only-Strategie lehnen SAP-Kunden ab

Beim Thema Cloud sind die Prioritäten der SAP und der Anwender nicht deckungsgleich: Während die SAP gerne so viele Applikationen wie möglich in die Cloud schieben will, halten Anwender an ihren jahrelang aufgebauten Inhouse-Systemen fest und erweitern diese fallweise um Cloud-Module. Der Einsatz von SAP-Cloud-Anwendungen nimmt laut DSAG zwar zu, aber es sei wichtig, dass bei der Weiterentwicklung des SAP-Portfolios aus der „Cloud-first-“ keine „Cloud-only-Strategie“ wird. Zumindest temporär sei in Zukunft eine Zweigleisigkeit von Cloud und On-Premise-Lösungen nötig.

Dr. Karsten Sontow sieht die Kosten als eine der wesentlichen Hürden für den ERP-Einsatz aus der Cloud

Insgesamt herrscht im deutschsprachigen Raum bis dato noch eine große Skepsis gegenüber Cloud-Implementierungen von komplexer Unternehmenssoftware wie ERP-Lösungen. An vorderster Stelle steht dabei oft das Kostenargument, wie Karsten Sontow, Vorstand des auf Softwareauswahl spezialisierten Beratungshauses Trovarit erläutert: „ERP-Lösungen aus der Cloud sind für den klassischen produzierenden Mittelstand oft zu teuer. Die Argumente zu Kosteneinsparungen durch das Cloud-Modell greifen nicht, wenn die Unternehmen unabhängig von der ERP-Lösung eine eigene IT-Infrastruktur betreiben und IT-Personal vorhalten. Dann müssten sie bei der Cloud-Lösung den Infrastrukturbetrieb quasi doppelt zahlen.“

Enhancement Packages erhöhen den Pflegeaufwand

Hybride Ansätze und Cloud-könnten Unternehmen nur dann umsetzen, wenn die Qualität der Software stimmt. Das ist aktuell laut Peters bei der SAP nicht immer der Fall. So mussten in der Vergangenheit oft Enhancement Packages zeitaufwändig nachgebessert werden. „Solche Nachbesserungen erzeugen einen erhöhten Aufwand und einen Geschwindigkeitsverlust“, kritisiert der DSAG-Technologievorstand. „SAP sollte hier die Qualitätsschraube noch etwas fester anziehen.“

SAP Leonardo bündelt Internet of Things und Blockchain

„Um in die Digitalisierung einzusteigen, benötigen Unternehmen zum einen Daten, und zum anderen eine Plattform, auf der sie die Informationen mit den bestmöglichen Technologien analysieren können“, formuliert Björn Goerke, President SAP Cloud Platform und Chief Technology Officer bei SAP die Marschrichtung. Die von der SAP favorisierte IT-Architektur umfasst zwei Ebenen: standardisierte Geschäftsabläufe in SAP S/4HANA und agile innovative Anwendungen in der SAP Cloud. Innovationsbausteine wie Machine Learning, Internet of Things und Blockchain bündelt SAP unter der Dachmarke Leonardo. Das technologische Fundament für SAP Leonardo ist die SAP Cloud.

Die SAP-Anwender können bislang mit Leonardo noch nicht allzu viel anfangen. Ausweislich der jüngsten Investitionsumfrage findet fast die Hälfte der Unternehmen das Portfolio SAP Leonardo zwar interessant, allerdings sind entsprechende Projekte bislang dünn gesät. „Häufig fehlt es noch an dem Wissen, dass in die SAP Cloud Platform investiertes Know-how auch eins zu eins für alle Themen rund um SAP Leonardo nutzbar ist und umgekehrt“, nennt Peters einen möglichen Grund für die Zurückhaltung der Unternehmen. „Wenn klar ist, wie sich mit den entsprechenden Technologien neue Welten erschließen lassen, wird es auch mit Leonardo vorangehen.“

Das überarbeitete Lizenzmodell steht noch aus

Ein weiterer Bremsklotz für die Akzeptanz von Leonardo ist das Lizenzmodell. Die DSAG hatte im vergangenen Jahr ein neues Abrechnungsmodell gefordert für Prozesse, die einen hohen Durchsatz bei geringer Wertschöpfung haben. Idealerweise solle dabei das dem Pay-Per Use-Prinzip zur Anwendung kommen. Bernd Leukert, SAP-Vorstand für Produkte und Innovation, hatte auf dem DSAG-Kongress im September des vergangenen Jahres erklärt, dass die SAP an einem neuen Lizenzmodell für Leonardo und das Internet of Things arbeite. Aus dem damals genannten Erscheinungsdatum 2017 ist nichts geworden. Björn Goerke hat nun eine diesbezügliche Ankündigung für die Sapphire in Aussicht gestellt, die im Juni in Orlando stattfindet. Für die SAP-Cloud-Entwicklungsumgebung funktioniert das Pay-Per-Use-Pricing bereits, wie Goerke in seiner Keynote demonstriert hat. Jürgen Frisch


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