Software und Technologie

Komplexität und Personalnot erschweren SAP Application Management

Komplexe IT-Systeme und knappes Personal – das fordert laut einer PAC-Marktstudie europäische SAP-Anwender heraus. Externe Dienstleister garantieren nicht nur den Systembetrieb, sondern auch dessen Verzahnung mit dem Business.

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Das SAP-Portfolio verändert sich stetig und damit auch dessen Betrieb. „War das Management von SAP-Applikationen bislang stark Prozess- und Governance-getrieben, so unterstützt es in der digitalen Transformation nun auch die Modernisierung des Unternehmens und gewährleistet zudem die Integration mobiler Geräte, Datenanalysen, Cloud Computing und Social Media“, berichtet Karsten Leclerque, Head of Infrastructure & Cloud Service Practice beim Analystenhaus PAC. Für die Studie „Entwicklungen im Bereich SAP Application Management“ hat PAC im Auftrag des SAP-Partners itelligence im Juli und August 2018 europaweit 207 Führungskräfte großer Unternehmen aus dem Bereich SAP/IT befragt. Zu Wort kamen Experten aus Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, den Niederlanden sowie Luxemburg.

Die Komplexität ist die größte Herausforderung

Für 96 Prozent der Befragten stellt die hauseigene SAP-Landschaft aufgrund des hohen Individualisierungsgrades eine Herausforderung dar. Durch das breite Spektrum der auf einzelne Prozesse ausgerichteten SAP-Lösungen gestaltet sich die Auswahl der am besten passenden Lösung schwierig. Die Tatsache, dass ein Großteil der Unternehmen parallel mehrere Cloud-Anwendungen und Bereitstellungsmodelle nutzt oder dies zumindest plant, steigert die Komplexität in Sachen Integration und Verwaltung. Für 91 Prozent der Befragten stellen hybride IT-Landschaften eine Herausforderung dar. Derartige IT-Landschaften kombinieren oft Legacy-IT, Private- und Public-Cloud-Instanzen mit eigenständig betriebenen und outgesourcten Infrastrukturen. Dies erfordert eine konsistente Ende-zu-Ende-Governance, Compliance und Sicherheit über eine Vielzahl von verschiedenen Anwendungen und Infrastrukturplattformen.

Von SAP R/3 zur SAP-HANA-Cloud

Am häufigsten im Einsatz sind in den Unternehmen nach wie vor die inzwischen vergleichsweise betagten Systeme SAP R/3 und SAP ECC. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) betreibt zudem eine SAP-Lösung für das Kundenbeziehungsmanagement (CRM/Customer Relationship Management). Auch Cloud-Applikationen sind für viele der Befragten alltäglich geworden: 39 Prozent haben die Cloud-Variante der aktuellen Suite SAP S/4HANA implementiert. 56 Prozent der Befragten nutzen die SAP Cloud Platform und SAP Leonardo oder planen deren Einsatz. Bei SAP Analytics Cloud sind es 53 Prozent. Viele Unternehmen bilden mit Cloud-Lösungen ergänzende Prozesse ab, wie beispielsweise Einkauf und Beschaffung mit SAP Ariba (63 Prozent) oder die Personalverwaltung mit SuccessFactors (77 Prozent).

Nearshoring und Offshoring versus Automatisierung

Der Kostendruck und der Personalmangel innerhalb Europas haben in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Dienstleistungen aus Off- und Nearshoring-Standorten hochgetrieben. 79 Prozent der Studienteilnehmer nutzen Nearshoring, meist in osteuropäische Länder. Offshoring an weiter entfernte Dienstleister kommt bei 69 Prozent der Unternehmen zum Einsatz. Wobei die Erfahrungen mit Nearshoring positiv zu sein scheinen: 46 Prozent der Unternehmen, die Nearshore-Ressourcen einsetzen, sind überzeugt, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren steigen wird.

Eine Konkurrenz erfahren Off- und Nearshoring durch die zunehmende Automatisierung. 41 Prozent der Teilnehmer nutzen für das Management ihrer SAP-Systeme bereits Automatisierung oder Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz  oder planen dies zu tun. 46 Prozent hat ein Interesse am Einsatz dieser Technologien.

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IT-Dienstleister binden das Business ein

Für das Application Management und das Hosting bevorzugen 66 Prozent der Unternehmen externe Dienstleister. Für diese haben sich die Anforderungen an das Management einer SAP-Anwendungslandschaft geändert. „Der bloße Anspruch, ‚alles am Laufen zu halten‘, wie er in der Vergangenheit für SAP-Application Management typisch war, wird zukünftig nicht mehr ausreichen“, berichtet Leclerque. „Zusätzlich erwarten die Kunden von den Providern ein tiefes branchenspezifisches Know-how, um eine engere Verzahnung mit dem Business zu ermöglichen.“

Die Provider sehen sich für diese Herausforderung gerüstet: „Im Idealfall profitieren Unternehmen, die bei der Implementierung und dem Betrieb ihrer Software-as-a-Service-Lösung mit externen Anbietern zusammenarbeiten, nicht nur von deren technischen Fähigkeiten, sondern auch von ihrer Innovationsfähigkeit“, wirbt Norbert Rotter, Vorstandsvorsitzender der itelligence AG. „Unser Angebot reicht von der Strategieberatung, über die Transformation bis hin zum langfristen Support und der Weiterentwicklung der Applikationen.“ Für die Kunden sei oft eine Cloud-Migration der Auslöser für eine Business-Transformation.

Die Studie „Application Management in Europa“ steht unter www.itelligencegroup.com zum kostenlosen Download bereit. Jürgen Frisch

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