Software und Technologie

Hybrid Cloud gewinnt bei Fertigern an Akzeptanz

Aktuell kommen Hybrid Clouds in der Fertigung auf eine Marktdurchdringung von 19 Prozent. Laut einer Studie des Cloud-Spezialisten Nutanix wollen die Unternehmen diese Zahl in zwei Jahren mehr als verdoppeln.

Hybrid Cloud

Fertigungsunternehmen möchten Innovationen einführen, aber sie werden durch Legacy-Systeme in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. IDC-Marktforscher haben das bereits 2017 als „Innovationssackgasse“ bezeichnet. Als Weg aus der Sackgasse empfehlen die Marktforscher die Digitalisierung einschließlich der Initiativen in Richtung Industrie 4.0.

Für die Studie „Enterprise Cloud Index 2018“ hat Nutanix das Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne beauftragt, um von IT-Entscheidern zu erfahren, wo sie ihre Geschäftsanwendungen heute betreiben und wo sie das künftig vorhaben, welchen Herausforderungen sie bei der Implementierung ihrer Cloud-Umgebungen gegenüberstehen, und welchen Stellenwert ihre Cloud-Initiativen im Vergleich zu anderen IT-Projekten haben. Ausgewertet hat das Marktforschungsunternehmen Antworten von rund 2.300 IT-Entscheidern aus verschiedenen Branchen – darunter 337 Fertigungsunternehmen. Befragt wurden Betriebe unterschiedlicher Größe aus Nord- und Südamerika, Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie aus dem asiatisch-pazifischen Raum einschließlich Japan.

Aktuelle Produktivität und künftiges Wachstum als Zielkonflikt

Laut Enterprise Cloud Index müssen sich Führungskräfte momentan auf neue Möglichkeiten zur Wertschöpfung konzentrieren und dürfen nicht ausschließlich traditionellen Geschäftsabläufen Priorität einräumen. Es bestehe ein Zielkonflikt zwischen dem Druck, die aktuellen Produktivitäts- und Betriebsziele in einem hart umkämpften Markt zu erreichen, und andererseits dem Zwang zur Investition in zukünftiges Wachstum.

Dieses Dilemma habe zu einer Nachfrage nach neuen Technologien geführt, die dazu beitragen könnten, den Konflikt zwischen aktuellen und künftigen Zielen aufzulösen. IT-Verantwortliche in der Fertigung müssten die ausgetretenen Pfade verlassen auf langfristige Lösungen setzen, die Automatisierung, verbesserte Datennutzung und bessere Kundenerlebnisse ermöglichen.

Die Ergebnisse des Enterprise Cloud Index deuten darauf hin, dass innovative Fertigungsunternehmen neue Technologien aggressiv einsetzen, um die Modernisierung zu unterstützen, anstatt mit Legacy-Systemen ins Hintertreffen zu geraten. Das Modell einer verteilten Cloud biete die nötige Geschwindigkeit, Flexibilität und Lokalisierung, um die Effizienz dieser Unternehmen ohne Qualitätseinbußen zu verbessern.

Der Weg zum Hybrid-Cloud-Modell ist steinig

Während 91 Prozent der Umfrageteilnehmer die hybride Cloud als ideales IT-Modell ansehen, liegt der weltweite Durchschnittswert für dessen Anwendung aktuell bei 18,5 Prozent. Nutanix führt diesen Unterschied zumindest teilweise auf die Herausforderungen beim Übergang zum Hybrid-Cloud-Modell zurück. Die Hindernisse bei der Einführung hybrider Clouds ähneln sich laut Studie weltweit. Sie reichen von Einschränkungen bei Anwendungsmobilität, Datensicherheit/Compliance, Leistung, Management bis hin zum Mangel an ausreichend qualifizierten IT-Fachkräften. Größere Defizite an IT-Talenten als in anderen Branchen melden Fertigungsunternehmen in den Bereichen Künstliche Intelligenz/maschinelles Lernen, hybride Cloud, Blockchain, Edge Computing sowie Internet der Dinge.

Kostenkontrolle, Sicherheit und Compliance

Wie die weiteren Ergebnisse der Nutanix-Studie zeigen, löst sich die bisherige Skepsis der Fertiger gegenüber Cloud-Implementierung gerade auf. Probleme macht die Kontrolle der Cloud-Kosten, gleichzeitig sind die Faktoren Sicherheit und Compliance die wichtigsten Entscheidungskriterien.

  • 43 Prozent der befragten Fertigungsunternehmen verwenden derzeit ein traditionelles Rechenzentrum als primäre IT-Infrastruktur – und liegen damit leicht über dem weltweiten Durchschnitt von 41 Prozent.
  • Unternehmen in der Fertigung nutzen derzeit häufiger als in jeder anderen Branche nur einen einzelnen öffentlichen Cloud-Dienst: 20 Prozent der produzierenden Unternehmen gaben an, einen einzigen Cloud-Service zu verwenden. Weltweit liegt der Durchschnittswert bei 12 Prozent. Offenbar wendeten sich Fertigungsunternehmen der Cloud zu, weil sie mit älteren IT-Systemen zu tun haben und manche Workloads On-premise nicht handhaben könnten.
  • Fertigungsunternehmen treiben die Umstellung auf die private Cloud voran: 56 Prozent der Befragten geben an, dass sie Unternehmensanwendungen in einer privaten Cloud ausführen. Das übertrifft den weltweiten Durchschnitt um sieben Prozent.
  • Fertigungsunternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Cloud-Ausgaben zu kontrollieren. Eine Motivation für die Implementierung hybrider Clouds bestehe darin, dass Unternehmen eine höhere Kontrolle über ihre IT-Ausgaben erlangen wollen. Nutzer der öffentlichen Cloud geben dafür 26 Prozent ihres jährlichen IT-Budgets aus – wobei dieser Prozentsatz innerhalb von zwei Jahren voraussichtlich auf 35 Prozent steigen wird. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Public-Cloud-Nutzer gibt an, dass ihre Ausgaben das Budget überschreiten.
  • Sicherheit und Compliance nennen Unternehmen in der Fertigung etwas häufiger als jene aus anderen Branchen als Hauptentscheidungsfaktor, wenn es um den Ort für die Ausführung von Workloads geht: 34 Prozent der Fertigungsunternehmen sehen Sicherheit und Compliance als wichtigstes Entscheidungskriterium an, während der branchenübergreifende Wert global bei 31 Prozent liegt.

Die Hybrid Cloud macht Unternehmen flexibler

Die optimistischen Aussichten für den Einsatz hybrider Clouds auf weltweiter und branchenübergreifender Basis spiegeln laut Nutanix die zunehmende Automatisierung und Flexibilität von IT-Landschaften wider. Unternehmen hätten dadurch die Wahl, ihre IT-Infrastrukturressourcen basierend auf sich schnell ändernden Anwendungsanforderungen zu erwerben, zu erstellen oder zu mieten.

„Die Fertigungsunternehmen investieren in die Modernisierung ihres IT-Stacks und in die Einführung von Industrie-4.0-Lösungen, um den sich ständig ändernden Geschäftsanforderungen in Bereichen wie Produktion und Supply-Chain-Management gerecht zu werden“, erläutert Chris Kozup, Senior Vice President Global Marketing bei Nutanix. „Eine hybride Cloud-Infrastruktur bietet Fertigern eine Chance für die Modernisierung von Legacy-Anwendungen und -Diensten. Dadurch können sich die IT-Verantwortlichen in der Fertigungsindustrie auf ihre langfristigen Investitionen in Big-Data, Internet of Things und Next-Generation-Unternehmensanwendungen konzentrieren.“ Die Fertigungsindustrie stehe beim Übergang zur Multicloud-Nutzung vor großen Hindernissen. Die Studie zeige allerdings, dass innovative Unternehmen bereit sind, künftig die Führung bei IT-Innovationen zu übernehmen.

Die vollständige Studie „Nutanix Enterprise Cloud Index 2018“ steht hier kostenlos zum Download bereit. Jürgen Frisch

 

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