RatgeberSoftware und Technologie

4 Tipps für die Migration von Stammdaten

Spätestens bis 2030 müssen SAP-Anwender ihre Systeme auf SAP S/4HANA migrieren. Eine Hürde dabei ist die Qualität der Stammdaten. Uniserv gibt Tipps, wie sich Probleme bei der Umstellung vermeiden lassen.

Der Countdown läuft: 2030 endet der Herstellersupport für die SAP-Lösungen SAP R/3, SAP ERP und SAP Business Suite. Die Zukunft gehört SAP S/4HANA. Weil die Migration dorthin ein langwieriges und komplexes Unterfangen ist, sind SAP-Anwender gut beraten, ihre Projekte zeitig anzuschieben. Eine aktuelle Befragung von SAP-Verantwortlichen durch den IT-Dienstleister Uniserv in 122 deutschen Unternehmen unterschiedlicher Branchen ergab, dass die Dringlichkeit noch längst nicht überall angekommen ist: 22 Prozent der Befragten haben noch keine Entscheidung über die Systemablösung getroffen, ein weiteres Drittel steckt noch in den Vorbereitungen. Immerhin erachten die befragten Unternehmen die Migration ihrer Geschäftspartnerdaten im Rahmen des Umstiegs auf SAP S/4HANA zu 89 Prozent als „sehr wichtig“ an.

Veraltete Daten und Dubletten machen Probleme

Eine zentrale Neuerung der auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA basierenden ERP-Lösung ist das geänderte Datenmodell. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Migration von Geschäftspartnerdaten beziehungsweise Stammdaten aus Altsystemen nach SAP S/4HANA. Der Umstieg auf die neue SAP-Lösung bietet Unternehmen eine Chance, die Datenqualität zu verbessern. Laut Uniserv-Umfrage bewertet derzeit nur etwas mehr als die Hälfte der SAP-Verantwortlichen (53 Prozent) die Datenqualität in ihrem Unternehmen mit „sehr oder eher hoch“. Auf die Frage nach den Hauptschwierigkeiten bei der Datenqualität nannten 74 Prozent der Unternehmen „veraltete Daten“. Bei den Unternehmen, welche die Migration auf SAP S/4HANA bereits abgeschlossen haben, nennen 83 Prozent doppelte und mehrfach vorhandene Daten als Hauptproblem.

Migrieren Unternehmen fehlerbehaftete, unvollständige und veraltete Geschäftspartnerdaten nach SAP S/4HANA, schaffen sie unnötige Probleme. Uniserv nennt vier Tipps, wie sich das vermeiden lässt.

Tipp 1: Das neue Datenmodell von SAP S/4HANA verstehen

Die Legacy-ERP-Systeme von SAP unterscheiden in ihrem Datenmodell noch zwischen den finanzbuchhalterischen Entitäten ‚Debitor‘ und ‚Kreditor‘ sowie einem neutralen ‚Geschäftspartner‘. Alle drei besitzen zahlreiche Eigenschaften wie Personen- und Adressdaten, Buchungskonten und Bankverbindungen oder auch Rollenbezeichnungen für die Personen, um nur einige zu nennen. Mit der Datenbank SAP HANA führt SAP einen einheitlichen Geschäftspartnerstamm ein, der die alten Entitäten in sich vereint und die Unterscheidung der Rolle, der geographischen Lokalität und anderen Systematiken auf einer neuen Abstraktionsebene als Metainformationen abbildet. Damit wird klar, dass es eine Eins-zu-eins-Migration aus Bestandssystemen und den bisherigen SAP-Lösungen weder möglich noch sinnvoll ist. Nötig ist stattdessen eine zum Unternehmen, seiner Softwarearchitektur und Datenhaltung sowie zu seinen Geschäftspartnerdaten passende Migrationsstrategie.

Tipp 2: Die Migrationsstrategie definieren

Für Anwender von SAP R/3, SAP ERP und der SAP Business Suite ohne weitere Drittsysteme oder Legacy-Datenbanken erscheint eine direkte Systemumstellung auf S/4HANA attraktiv. Eine solche Migrationsstrategie, bei der die neue Lösung auf ein im übertragenen Sinne bereits „beackertes Feld“ gestellt wird, nennt man „Brownfield Ansatz“. Der Nachteil: Man läuft Gefahr, unnötige Altlasten mitzunehmen. Will man das vermeiden, etwa auch, um die Leistungsfähigkeit der In-Memory-Datenbank SAP HANA voll auszuschöpfen, ist eventuell die Neuimplementierung „auf der grünen Wiese“ sinnvoller – der „Greenfield Ansatz“. Der Vorteil: Es wird nur das migriert, was künftig noch gebraucht wird. Es gibt noch eine dritte Migrationsvariante, nämlich den „Bluefield Ansatz“: Komplexere Bestandssysteme, die aus mehreren Softwareplattformen bestehen und somit eine Datenhaltung in voneinander getrennten Silos besitzen, erfordern eine „Selective Data Transition“, bei der System für System entschieden und dann technisch gemappt wird, welche Daten aus welchen Quellsystemen in welchem neuen Zielsystem landen sollen.

Allen drei Migrationsstrategien ist eines gemein: Sind die Quelldaten von minderer Qualität – veraltet, unvollständig oder mit Dubletten behaftet – kann SAP S/4HANA sein Potenzial für digitale Geschäftsprozesse nicht ausschöpfen. Im angelsächsischen Raum spricht man drastisch von „crap in/crap out“ – wenn der Input „Mist“ ist, ist es auch der Output. Deshalb kommt der Sicherung der Datenqualität vor der Übertragung in das neue System eine erhebliche Bedeutung zu.


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Tipp 3: Die Qualität der Geschäftspartnerdaten sichern

Vollständig, korrekt und aktuell – das sind die wesentlichen Qualitätskriterien für Geschäftspartnerdaten. Die Sicherung der Datenqualität ist angesichts der Fülle unterschiedlicher Strukturen, Syntaxen und Formate im globalen Geschäftsverkehr alles andere als trivial. Deshalb lohnt es, für die automatisierte Massenprüfung von Geschäftspartnerdaten auf postalische Korrektheit, die Bereinigung von Dubletten und die Vervollständigung von Datensätzen per Identity Resolution, auf bewährte Werkzeuge zu setzen.

Tipp 4: Daten zu Golden Records zusammenführen

Stimmt die Datenqualität vor der Migration nach SAP S/4HANA, gibt es noch eine weitere Ebene, auf der eine Zusammenführung von Geschäftspartnerdaten das Endergebnis verbessert. Die Rede ist von der Konsolidierung von Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen und ihrer Zusammenführung zu einer 360-Grad-Sicht auf den Geschäftspartner. So entsteht der „Golden Record“. Erst wenn ein Unternehmen eine einheitliche Sicht auf ihre Kunden und Geschäftspartner hat, kann es die volle Leistung der Analysefähigkeiten der neuen SAP-Plattform ausschöpfen und so Geschäftsentscheidungen bestens informiert treffen. Der „Golden Record“ schafft die dafür nötige „eine Wahrheit“ über die Geschäftspartner. Jürgen Frisch


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